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«Some Days» – A Normal Working Day

5 MAI – 18 JUNI 2017

Was ist Normalität? Wenn wir uns nicht der Mehrheit anschliessen, sind wir anormal: Arbeiten ist normal, nicht arbeiten ist anormal. Und was ist ein normaler Arbeitstag? Wir alle haben unsere eigenen Normen, die uns eine Kontinuität im Alltag zu gewährleisten scheinen. Weil sie zu unseren Gewohnheiten gehören, halten wir sie schliesslich für selbstverständlich. Doch gelegentlich erinnert uns eine Anormalität daran, dass Normen nicht unumstösslich sind. Dass der Umgang mit Bräuchen, die nicht die unsrigen sind, uns dazu bringen kann, unsere vermeintliche Normalität zu relativieren. Auf dieser Ebene lässt sich die Begegnung zwischen dem bildenden Künstler Zimoun und dem Tanzduo Delgado Fuchs (Marco Delgado und Nadine Fuchs) einordnen, die seinerzeit Ateliernachbarn im Progr, dem Berner Zentrum für Kulturproduktion, waren. Obwohl alle drei künstlerisch tätig sind, nehmen sie diametral entgegengesetzte Positionen ein: auf der einen Seite Minimal Art, konzentriert auf die Materie, den Ton, geordnet, mechanisch, industriell, perfekt konstruiert und gemeistert – selbst in ihren zufallsbedingten Bereichen, auf der anderen Seite die Haltung der Körper, einzeln oder zu zweit, die sich prüfen, erproben, einschätzen, testen und in geistreichen, ungenierten Szenarien und Verkleidungen suchen.

Aus gegenseitiger Neugier, Faszination und Ungeduld entsteht allmählich der Wunsch, diese beiden Welten in einem gemeinsamen Projekt zu vereinen: A Normal Working Day beginnt 2013 mit ersten Annäherungen, die in der Gruppenausstellung «Move Movie, danse et arts plastiques» im CACY gezeigt werden. Seither fanden zahlreiche Begegnungen statt, und die Arbeit gewann an Dichte. Das Unwahrscheinliche erzählt sich in Tagen («Days») und diese neue Ausstellung in einigen Tagen: «Some Days».

Stets dem Weg folgend, den er seit Jahren beschreitet, interessiert sich Zimoun für das Material, das ihm zur Verfügung steht, indem er für einmal die industriellen Texturen durch die makellose Plastizität tanzender Körper ersetzt. Delgado Fuchs, die seit kurzem in Lausanne leben und privat wie beruflich ein Paar sind, variieren ohne Unterlass ein Repertoire aus Gesten und Stellungen und treiben ihr Spiel mit der grossen Schau. Indem sie die Details pflegen – ein verstohlener Blick, ein barockes Accessoire, eine winzige, komische, anspielungsreiche, subversive Geste –, geben sie Zimoun Gelegenheit, sie in ikonische Bilder zu verwandeln und in visuelle Systeme zu integrieren, die seinen Stempel tragen. So entstehen Rapportmuster und eine Abstraktion der in Raster und Pattern gezwängten Körper. Die scheinbare Strenge der Inszenierung wird jedoch rasch durch Massstabssprünge und frivole Attitüden unterbunden, die im Grossen in kaleidoskopartigen Bildern oder in Form von Spitzen in den Miniaturen einer Tapete zu entdecken sind. Ihre gemeinsame Plattform ist interaktiv und vereint visuelle und performative Kunst in verführerischen Paraden, Verkleidungen und entkörperten plastischen Volumen. Alles vermischt sich in dieser Ausstellung und lässt sich als Allover-Installation verstehen, als Präsentation psychedelischer Bilder, die in spöttischer Weise die Wände des CACY anlässlich des Tanzfestes 2017 in Beschlag nehmen. Fünfmal ergänzt die Performance «Day 2839|2017» eine Puppenhausarchitektur – mit einem sich wiederholenden Rapportmuster auf Wänden, Decke und Einrichtung –, um ein lebendes Bild zu schaffen. Zwischen Anschein, Spiegelung und Anwesenheit fällt es schwer herauszufinden, ob es sich um Sein oder Schein, Traum, Geister oder Realität handelt. Man steht auf der Bühne, gefangen in einer bunten Pop-Welt, in der man Gefahr läuft, den Boden unter den Füssen zu verlieren. Eine Schau auf 300 Quadratmetern, überfüllt mit Bildern, doch ohne Ton. Vielleicht weil allein schon die Bilder schrecklich laut sind.

Karine Tissot

Übersetzung : Hubertus von Gemmingen

Vernissage le 5 mai 2017, dès 18.00 pour lancer la Fête de la danse à Yverdon-les-Bains qui se tiendra du 5 au 7 mai.

Texte en français

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