EXPOSITION en cours

TERRE-MER, MARIE VELARDI

DU 18 MAI AU 21 JUILLET 2019

Die Unbeständigkeit, das Verrinnen der Zeit und die Überschneidung von Zeiträumen, die einen realen Einfluss auf das Leben der Menschen haben, sind Tatsachen, die Marie Velardi, gestützt auf neueste wissenschaftliche Forschungen, beobachtet. Wie die Zeit, die sich nicht greifen lässt, ist das Wasser – in verschiedenen Stadien, auf verschiedenen Ebenen und an verschiedenen Orten – nicht zu sehen. Marie Velardi sucht ihm eine Form zu geben, aus ästhetischen Gründen, aber auch im Bemühen um ein ökologisches und folglich soziologisches und politisches Engagement.

Das zwischen 2014 und 2019 entwickelte Projekt «Terre-Mer» («Land-Meer») bedient sich zahlreicher Formen – Aquarell, Text, Zeichnung und Video –, um «Zwischenzonen» zu bezeichnen, die Land und Meer zugleich sind, Regionen, die je nach der geschichtlichen Periode, auf die man sich bezieht, unter oder über Wasser liegen. Augenblicklich steigt der Meeresspiegel aufgrund der Klimaerwärmung an, doch die Landerosion an bestimmten Orten, der Dammbau, die dadurch bedingten Überschwemmungen, das Wasser, das seine Rechte wieder einfordert, oder der Bau künstlicher Inseln sind Vorkommnisse, welche die Küstenlinie – die deutliche Trennung zwischen Wasser- und Landzonen auf den Landkarten – in Frage stellen. Marie Velardis Zeichnung grenzt den Ort ein, bis zu dem einst das «Meer» reichen konnte und bis zu dem es in mehr oder weniger naher Zukunft zurückkommen könnte, wenn der Wasserspiegel um ein paar Meter steigt. Das blaue Pigment bemächtigt sich der Landzonen und täuscht unsere gewohnte Lektüre, da es eine andere Kartografie zu sehen gibt, welche die Zwischenräume illustriert und nicht Wassermassen, sondern Meeresbewegungen darstellt.

Dieser Deutungsspielraum schafft Platz für die Fiktion. Parallel dazu schreibt Marie Velardi einen Brief, in dem Gespräche mit Bewohnern, bezeugte Tatsachen, Ängste und Träume festgehalten sind. Der Text fungiert so als Zeugnis, Erzählung und Sensibilisierung für diese Situation zugleich, indem er vergangene, gegenwärtige und zukünftige Berichte verknüpft. Und von Zeit zu Zeit – wie in dem Video Aléa – lässt die Realität der Wörter und Bilder den Bericht lebendig werden: «Hier haben wir gewohnt … unser Grundstück war dort.» Das Drehbuch wurde 2014 auf Grundlage von Gesprächen mit einer Bevölkerung verfasst, die 2010 nach dem Sturm Xynthia umgesiedelt wurde – oder sich weigerte, dies zu tun –, und beruht auf der Zusammenarbeit mit dem indonesischen Anthropologen Rhino Ariefiansyah. Bildet dieses Video den Ausgangspunkt für Reflexionen um die «Land-Meer»-Problematik, so bieten ein paar weitere, noch unbekannte Videoarbeiten stille Momente der Reflexion über Venedig, den Hügel Glastonbury (Somerset, England) oder die Insel Wallasea (Essex, England).

Schliesslich ist im Halbdunkel eine Monduhr zu entdecken, die an die Bedeutung des Erdtrabanten erinnert: Er regelt die Erdzyklen, bestimmt die Gezeiten, stimuliert die Energien und löst Geburten aus. Im Gegensatz zu der von der Moderne angestrebten Beschleunigung, der Selbstüberwindung und der Flucht nach vorne müsste der Mond wieder zum unerlässlichen Anhaltspunkt unseres Lebens werden. Aus diesem Grund lässt Marie Velardi einen Zeiger sich unmerklich inmitten der 28 Phasen dieses Gestirns drehen. So endet die Ausstellung «Terre-Mer» mit Maria Lunae, anders gesagt, den «Mondmeeren», die man auf dem Mond zu sehen glaubte, bevor der Mensch seinen Fuss auf ihn setzte.

Karine Tissot (Übersetzung Hubertus von Gemmingen)

Texte en français

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Ville d'Yverdon-les-Bains
   
   
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